Geschichte von LĂĽen
Auch wenn in Lüen ein römischer Münzfund vorliegt, so lässt dies keine Rückschlüsse auf eine antike Besiedlung zu. Eine im Hochmittelalter bereits abgeschlossene Landnahme im mittleren Schanfigg belegt aber die Lüener Stiftungsurkunde von 1084, wo der Ort als „Leune“ bezeichnet wird. Darin statten die 40 hier ansässigen freien Bauern die soeben gebaute Kirche St. Zeno – er ist der Stadtheilige der italienischen Stadt Verona – mit Gütern aus ihrem Eigen aus und schenken sie dem Churer Bischof. Die Urkunde lässt auf eine dauernde, ursprünglich romanische Besiedlung mit Ackerbau, Ostbau und Schafwirtschaft schliessen.
Den Herren von Vaz als bischöfliche Lehensnehmer folgten 1338 die Werdenberger, 1363 erstmals die Toggenburger. Als Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde St. Peter schloss sich Lüen 1436 dem Zehngerichtenbund an. Neue Landesherren waren ab 1436 die Grafen von Monftort, nach 1471 jene von Matsch und ab 1479 die Österreicher.
Um 1530 schloss sich Lüen, das im Mittelalter auch als Säumerstation diente, der Reformation an. Noch 1570 war die Siedlung mehrheitlich romansichsprachig, aber immer mehr gewannen die seit dem 14. Jahrhundert im Tal ansässigen Walser an Einfluss. 1652 erfolgte der Auskauf der Herrschafts- und fünf Jahre später jener der bischöflichen Lehnensrechte. Zwischen 1875 und 1877 wurde die Schanfigger Talstrasse 200 m oberhalb von Lüen gebaut. Umso wichtiger war deshalb der Anschluss an die Arosabahn mit dem Bahnhof Lüen-Castiel sowie der Bau der Kraftwerkzentrale im Jahre 1914. Im gleichen Jahr hielt auch die elektrische Beleuchtung durch das Kraftwerk Lüen Einzug im Dorf.
