Gemeinde Lüen
Lüen befindet sich am rechten Abhang des vorderen Schanfigg und erstreckt sich auf der Höhe von 750 Metern über dem Meer am östlichen Plessurlauf bis hinauf zum Lüener Grat (2217 Meter). Das Dorf selbst liegt auf einer äusserst reizvollen, sonnenexponierten Terrasse auf rund 1000 Meter und wird deshalb auch gerne als „Kalifornien des Schanfiggs“ bezeichnet. Nebst den einheimischen Früchten gedeihen nämlich auch Aprikosen, Pfirsiche, Reben und sogar Kiwis hervorragend. Die Häuser, mehrheitlich Strickbauten, stehen dichtgedrängt auf der kleinen Anhöhe.
In der Gemeinde leben derzeit rund 80 Einwohner. Lüen hat einen direkten Bahnanschluss, ist aber auch durch eine Verbindungstrasse erschlossen. Diese wird in den nächsten Jahren ausgebaut. Das Dorf zählt zwei Landwirtschaftsbetriebe und ein Fotolabor. Aus dem 1913 erstellten Kraftwerk Lüen hat die Gemeinde namhafte Steuereinnahmen.
Blickfang des Dorfes bildet die kleine, schlichte Kirche. Das 1084 erstellte Gotteshaus ist das älteste im Schanfigg.
Furcht vorm Bleiser
So friedlich sich die Gegend am Lüener Grat präsentiert, so grausig kann raues Wetter begleitet von einem wild wehendem Wind den Bergmenschen den Garaus machen.
In der Mundart reden die Lüener dann vom alten Bleiser. 1951 brach am Lüener Grat eine verheerende Lawine aus,
die im darunter gelegenen Bargun etliche Hütten und Bargen mitriss. Im gleichen Winter löste sich westlich des Lüener Grates ein weiteres mächtiges Schneebrett. Der Schnee und Schutt, der im Clasaurertobel vereinigten Lawinen reichte bis zur Bahnlinie Chur-Arosa auf eine Höhe von rund tausend Metern.
Hütten und Bargen wurden danach an einem anderen Standort wieder aufgebaut. So behauptet sich Bargun noch heute als kleines, idyllisch gelegenes Bergdörfchen.
Lüener Grat
Der Lüener Grat ist die höchste Erhebung in der Gemeinde Lüen. Obwohl er sich - vom Tal aus gesehen - als Berg erkenntlich zeigt, ist er vielmehr der Beginn eines markanten Grates - eben des Lüener Grates. Zuvorderst am Lüener Grat liegt die Grenze zwischen den Gemeinden Lüen im Süden, Castiel im Westen und Pagig im Nordosten.
Auf dem Lüener Grat, welcher von der Bleis her leicht zu besteigen ist, geniesst man eine wunderbare Aussicht über das ganze Schanfigg. Bleis, das sind die Bergwiesen östlich des Lüener Grates. Obwohl sich die Bergwiesen bis auf den Grat erstrecken, können heute nur noch geringe Flächen landwirtschaftlich genutzt werden. Die Gründe dafür sind unter anderem die fortschreitende Erosion sowie die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft. Früher wurde das Bergheu aus der Bleis (2100 Meter über dem Meer) in das rund zweihundert Meter tiefer gelegenen Bargun geseilt, von wo aus es im Herbst ins Tal geführt wurde. Das Heuerseil ersparte den Bergbauern beim Heuen manchen Schweisstropfen. Noch heute hängt es über dem Wasserfall und dient der Vogelwelt als Aussichtspunkt und Zwischenstation ihrer Reisen.
Heute nutzen vor allem die Murmeltiere diese Kulturlandschaft rege und sorgen auf ihre Art für die Bewirtschaftung des Gebietes. Auch den Gämsen gefällt es hier, da Felsen und steile Hänge für Schutz und die nahen Bergwiesen für Nahrung sorgen. Der Steinadler und der Falke, das Steinhuhn und nicht zuletzt der Steinbock sind Teil der vielfältigen Tierwelt am Lüener Grat.
